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Neuer Kinderkurs Dienstags von 16.30 - 17.30 Uhr ==================================================================================================================== Zusammenarbeit mit Inter Homines (Das Illustrationsvideo enthielt ursprünglich auch Aufnahmen von Übungen mit Klientinnen. Allerdings wollten diese dann doch nicht im Internet erscheinen.) Hintergrund Politisch traumatisierte Frauen haben extreme Ohnmachtserfahrungen erlebt und überlebt. Beispielhaft seien Frauen aus dem Kosovo genannt. Ende der 80er Jahre spitzte sich dort die „Serbisierungspolitik“ zu: Kosovo-Albaner/innen wurden aus Politik, Recht, Gesundheit, Bildung ausgegrenzt, Repressalien ausgesetzt, und es kam zu gewalttätigen Übergriffen. Anfang der 90er Jahre begannen die Balkankriege. Im Kosovo wurden von serbischen Milizen regelmäßig Hausdurchsuchungen nach Männern und Waffen durchgeführt. Dabei wurden die Männer meistens verprügelt, oft auch gefoltert und umgebracht. Die Frauen wurden geschlagen und belästigt, häufig vergewaltigt. Die Männer mussten oft fliehen, die Frauen blieben mit den Kindern allein zurück und waren diesem Terror jahrelang ausgesetzt. 1998 begann der Kosovokrieg, mit brutalsten Vertreibungen und Grausamkeiten gegen die albanische Bevölkerung. Wer nach Deutschland fliehen konnte, fand auch hier nicht wirklich Schutz und Sicherheit: Die Flüchtlinge erhielten jahrelang sogenannte „Kettenduldungen“, d.h. ihr Aufenthalt wurde immer nur jeweils um Monate verlängert. So konnte weder die traumatische Vergangenheit bearbeitet noch eine wirkliche Zukunftsperspektive entwickelt werden. Ähnliches ließe sich von verschiedenen anderen Ländern berichten. Wenn die betroffenen Frauen ihre Traumatisierung mit eigenen Worten beschreiben, sagen sie öfter: „Seit der Misshandlung ist etwas in mir zerbrochen, ich bin nicht mehr derselbe Mensch“, „Danach fühlte ich mich wie wahnsinnig“, „In meinen Alpträumen kehrt diese schreckliche Situation immer wieder zurück“. Angebot Der Kernpolitischer Traumatisierung sind extreme Ohnmachtserfahrungen. Deshalb sind Erfahrungen von Ermächtigung / Empowerment wichtig, um das Trauma zu überwinden oder wenigstens abzuschwächen. Kampfkunst ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, aus einer passiven Opferhaltung herauszufinden, sich zu ermächtigen und eine Empowerment-Haltung einzunehmen. Denn das Training verläuft über eine Schulung des Körpers, die dann als Geisteshaltung verinnerlicht werden kann. Kampfkunst hat daher ein hohes traumatherapeutisches Potential. Vor diesem Hintergrund soll mit politisch traumatisierten Frauen geübt werden. Dieses Angebot ist für Frauen wichtiger als für Männer, da Frauen meistens über weniger Sozialisationserfahrungen in Selbstverteidigung verfügen. WT bietet sich hier besonders an, weil es der Legende nach von einer Frau, der Nonne Ng Mui, erfunden wurde und weil der Name Wing Tsun nicht zufällig ein chinesischer Frauenname ist: seine Bewegungsabläufe sind besonders „weiblich“, weich und dabei hocheffektiv. Es ist für ein traumatherapeutisches Programm zudem besonders geeignet, weil es nicht nur bestimmte Kampftechniken vermittelt, sondern auf drei Ebenen angelegt ist: (1) körperliche Selbstverteidigung, (2) Strategie und Taktik, (3) Selbstvervollkommnung. WingTsun ist insofern nicht nur eine Kampfkunstschulung, sondern auch eine Lebensschulung, die sich zu (trauma)therapeutischen Prinzipien – vor allem der Überwindung von Rückzug und Passivität – stimmig in Beziehung setzen lässt. Risiken Zugleich muss beachtet werden, dass bei politisch traumatisierten Frauen die Gefahr der Trauma-Reaktivierung besteht: Trainingssituationen können an erlittene Gewalterfahrungen erinnern und das Trauma wieder in überwältigender Weise ins Bewusstsein rufen. Deshalb wird das Training mit diesem Klientel viel vorsichtiger und schonender durchgeführt als üblicherweise. Entspannungselemente im Training, wie warming up, Gesundheits-Siu-Nim-Tao, Dehn- und Atemübungen, WT-ChiKung, meditative Musik, Theorie u.a., werden besonders betont. Chancen Auf der anderen Seite bieten Erinnerungen an Gewalterfahrungen auch die Chance zur Traumaintegration. Denn wenn die ursprüngliche Situation durch seelisch verletzende Ohnmacht und Kontrollverlust gekennzeichnet war, bietet die Trainingssituation die Möglichkeit, nachträglich wieder Kontrolle darüber zu erlangen. Die traumatische Erinnerungsspur kann dadurch positiv verändert werden. Um diesen Prozess der Traumabearbeitung zu begleiten und zu fördern, werden bei Bedarf auch Einzelgespräche angeboten. Da es sich aber zunächst nur um einen dreimonatigen Einführungskurs handelt, wird die traumapsychologische Dimension äußerst zurückhaltend und vorsichtig behandelt. Rahmenbedingungen Am Kampfkunstprojekt für politisch traumatisierte Frauen können bis zu 20 Personen teilnehmen, die über die verschiedenen Facheinrichtungen in Berlin erreicht werden. Auch die Töchter können teilnehmen. Voraussetzungen zur Teilnahme sind ausreichende Deutschkenntnisse, psychosoziale Grundversorgung in einer Facheinrichtung und hinreichende psychophysische Stabilität. Das Projekt ist als Einführungskurs konzipiert, der anschließend ausgewertet wird. Eventuell kann später ein länger dauerndes Kampfkunstprojekt mit intensiverer traumatherapeutischer Ausrichtung durchgeführt werden. Inter Homines behält sich konzeptuelle Änderungen und Anpassungen, wie sie sich im Projektverlauf ergeben können, grundsätzlich vor. Durchführung Der Kampfkunst-Anteil der Gruppe wird von Sifu Michael Schneider geleitet, der seit 1992 eine eigene WingTsun-Schule führt. Er hat den vierten Lehrergrad und verfügt über Zusatzausbildungen zum Kids-WT-Fachtrainer sowie WT-Gewaltprävention. Er arbeitete früher auch als Yoga- und Meditationslehrer. Der psychosoziale Anteil der Gruppe wird von Dipl.-Psychologe und Gestalttherapeut Dr. Freihart Regner geleitet. Der musische und frauenspezifische Anteil wird von der Musiktherapie-Praktikantin Suk-Young Hwang begleitet. Sie ist studierte Musiklehrerin und Chorleiterin.
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